Was ist Chemotherapie?
Unter Chemotherapie verstehen wir eine Behandlung mit speziellen Medikamenten, den sogenannten «Zytostatika». Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie «Stillstand der Zellen». Diese Medikamente wirken gezielt, um die Teilung und Vermehrung von Krebszellen zu stoppen und so das Wachstum des Tumors zu hemmen.
Da Zytostatika jedoch nicht nur die Krebszellen, sondern auch einige gesunde Körperzellen befallen können, kann es zu Nebenwirkungen kommen. Besonders betroffen sind Zellen, die sich schnell teilen – wie beispielsweise die Haarwurzelzellen, die Schleimhäute im Mund und Darm sowie das blutbildende Knochenmark. Diese Nebenwirkungen treten oft schon wenige Tage bis Wochen nach Beginn der Chemotherapie auf.
Die gute Nachricht ist: Sie sind meist vorübergehend und bilden sich nach Abschluss der Behandlung wieder vollständig zurück. Zusätzlich können weitere Beschwerden wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme oder Müdigkeit auftreten. Unser Team begleitet Sie und Ihr Kind sorgfältig durch die Therapiezeit und unterstützt Sie dabei, mit diesen Herausforderungen bestmöglich umzugehen
Das Blut und seine wichtigsten Bestandteile
Wir möchten Ihnen hier die wichtigsten Bestandteile des Blutes kurz erklären, damit Sie besser verstehen, was während der Behandlung passiert.
Sowohl die Chemotherapie als auch eine Bestrahlung (Radiotherapie) können das Knochenmark, den Ort der Blutzellbildung, vorübergehend beeinträchtigen. Dabei wird das Wachstum der verschiedenen Blutzellen – also der weissen Blutkörperchen (Leukozyten), der Blutplättchen (Thrombozyten) und der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) – zeitweise unterdrückt.
Diese sogenannte Unterdrückung kann dazu führen, dass die Blutwerte «tief» ausfallen. Manchmal betrifft dies alle Blutzellarten, manchmal nur einzelne Gruppen. Je nachdem können unterschiedliche Symptome auf treten, die besondere Aufmerksamkeit und Vorsicht erfordern.
Um die Gesundheit Ihres Kindes bestmöglich zu schüt zen, kontrollieren wir die Blutwerte in regelmässigen Abständen. Bei Bedarf passen wir die Behandlung an – und das kann bedeuten, dass eine Chemotherapie verschoben oder die Dosierung geerändert wird.
Neutropenie
(tiefe Leukozyten und Granulozyten)
Wichtige Informationen zur Gesundheit Ihres Kindes
Ihr Kind hat besonders viele Granulozyten im Blut. Das sind bestimmte weisse Blutkörperchen, die helfen, Bakterien zu bekämpfen und Infektionen abzuwehren. Wenn diese Zellen weniger werden, spricht man von Neutropenie. Das bedeutet, Ihr Kind kann leichter krank werden, vor allem durch bakterielle Infektionen.
Das Behandlungsteam wird Sie immer informieren, wenn Ihr Kind eine Neutropenie hat. Wenn das der Fall ist, sind ein paar Dinge sehr wichtig:
Bitte informieren Sie alle, die Ihr Kind betreuen (Kita, die Schule oder andere Betreuungsstellen), dass Ihr Kind diese besonders empfindliche Phase durch macht.
Damit Ihr Kind gesund bleibt, beachten Sie bitte folgendes:
- Halten Sie Ihr Kind von erkälteten oder kranken Menschen fern.
- Waschen Sie sich Ihre Hände und die Ihres Kindes gründlich und regelmässig – das ist jetzt besonders wichtig.
- Wenn Ihr Kind eine kleine Verletzung, wie eine Schürfwunde oder einen Schnitt hat, desinfizieren Sie die Wunde sofort und danach am besten zweimal täglich mit einer Desinfektionslösung.
- Bitte informieren Sie uns, wenn Ihr Kind Schmerzen hat und Sie ein Medikament verabreichen möchten/müssen, da diese Medikamente auch möglichesFieber senken könnten.
Wann sollten Sie unbedingt die Klinik kontaktieren?
- Wenn Ihr Kind eine Temperatur von 39°C hat oder bei niedriger Temperatur und in einem schlechten Allgemeinzustand ist.
- Bei Babys unter 1 Jahr schon ab 38,5°C.
Je nach Blutwerten kann es dann nötig sein, dass Ihr Kind schnellstmöglich ins Spital kommen muss, um dort eine Behandlung mit Antibiotika über die Vene verabreicht zu bekommen.
Thrombozytopenie
(tiefe Anzahl Blutplättchen)
Wichtige Informationen zu Thrombozyten
Thrombozyten sind kleine Blutplättchen, die dafür sor gen, dass Blutungen gestoppt werden. Sie helfen dabei, Wunden durch die Bildung von Gerinnseln zu ver schliessen. Wenn die Anzahl der Thrombozyten niedrig ist, kann das Blut nicht mehr so gut gerinnen, und es besteht ein erhöhtes Risiko für Blutungen. Besonders gefährlich wird es, wenn die Zahl der Thrombozyten unter 20 liegt.
Woran erkennen Sie eine Thrombozytopenie (niedrige Thrombozytenzahl) bei Ihrem Kind?
- Ihr Kind bekommt leicht blaue Flecken (Hämatome)
- Auf der Haut zeigen sich kleine rote Punkte (sogenannte «Petechien»)
- Nasenbluten lässt sich nur schwer stoppen
- Ihr Kind hat Zahnfleischbluten
- Kleine Verletzungen bluten länger als üblich
- Manchmal kann auch Blut im Stuhl oder Urin sichtbar sein
Das sollten Sie bei niedrigen Thrombozyten beachten:
- Vermeiden Sie Zäpfchen und messen Sie das Fieber nicht rektal, da dabei kleine Verletzungen entstehen können, die bluten
- Achten Sie auf einen regelmässigen Stuhlgang, am besten weich und gut geformt (Bristol-Stuhlform Skala 4–6). Falls der Stuhl zu hart oder unregelmäs sig ist, geben Sie Ihrem Kind bitte das von uns empfohlene Abführmittel
- Verwenden Sie bei der Mundpflege eine sehr weiche Zahnbürste – verzichten Sie auf Zahnseide
- Sorgen Sie dafür, dass die Lippen nicht austrocknen und rissig werden
- Schneiden und feilen Sie die Fingernägel nur, wenn die Thrombozytenwerte ausreichend sind (über 20)
- Die Nase sollte vorsichtig geschnäuzt werden. Bei Bedarf können Sie eine Nasensalbe verwenden
Anämie
(Mangel an roten Blutkörperchen, «Blutarmut»)
Wichtige Informationen zu roten Blutkörperchen (Erythrozyten)
Rote Blutkörperchen haben einen roten Farbstoff, den man «Hämoglobin» nennt. Das Hämoglobin ist wichtig, weil es dafür sorgt, dass der Sauerstoff im Körper transportiert wird. Wenn Ihr Kind zu wenige rote Blutkörperchen hat oder zu wenig Hämoglobin, spricht man von einer Blutarmut (Anämie).
Woran merken Sie, dass Ihr Kind eine Blutarmut hat?
Diese Anzeichen können unterschiedlich stark sein, je nachdem, wie es Ihrem Kind sonst geht.
Mögliche Hinweise sind:
- Die Haut ist blasser als sonst
- Ihr Kind wirkt müde oder schlapp
- Ihrem Kind ist öfter schwindelig
- Ihr Kind hat manchmal Kopfschmerzen
- Ihr Kind hat weniger Appetit
- Es fällt Ihrem Kind schwerer, sich zu konzentrieren
- Das Herz schlägt schneller als gewöhnlich
Je nachdem, wie stark die Symptome bei Ihrem Kind sind und wie es sich fühlt, bespricht der Arzt oder die Ärztin mit Ihnen, ob Ihr Kind vielleicht eine Bluttrans fusion braucht. Diese Entscheidung wird auch davon bestimmt, wie niedrig der Hämoglobinwert im Blut ist.

