Nebenwirkungen erkennen und lindern
Kortisontherapie und Umgang mit den Nebenwirkungen
Tabletteneinnahme
- Ihr Kind soll das Medikament drei Mal am Tag bekommen: morgens, mittags und abends. Die letzte Dosis sollte nicht später als 18.00 Uhr verab reicht werden, da sonst kann der Schlaf gestört werden könnte
- Am besten immer ungefähr zur gleichen Zeit verabreichen
Vorbereiten der Tabletten
- Sie können eine Tablettenbox (Medidoset) aus der Apotheke nutzen, um die Medikamente für die Woche vorzubereiten. Wir rezeptieren das Medidoset gerne für Ihre Versicherung
- Bitte tragen Sie zum Eigenschutz Handschuhe beim Richten der Tabletten. Danach sollten Sie sich die Hände waschen. Es empfiehlt sich, die Tabletten für die ganze Woche jeweils an einem Wochentag zu richten. Dafür können Sie auch gerne die Kinderspitex beauftragen – die Pflegeexpertinnen APN unterstützen Sie gerne
- Falls Sie schwanger sind oder stillen: Bitte jemand anderen die Tabletten richten lassen.
Blutzucker-Kontrolle (wegen Kortison)
- Kortison kann den Blutzucker erhöhen. Darum messen wir regelmässig im Spital den Blutzucker Ihres Kindes
Heisshunger durch Kortison
- Unter Kortison bekommt Ihr Kind oft mehr Appetit oder Lust auf bestimmte Lebensmittel – das ist normal
- Bieten Sie fettarme und gesunde Lebensmittel an
- Eine Gewichtszunahme ist möglich, was sich aber nach der Therapie meist wieder legt
Tipps für die Ernährung:
- Lieber Magermilch statt Vollmilch. Bei kleinen Kindern sollte die Milch verdünnt werden
- Zuckerfreie Getränke bevorzugen
- Fettreiche Wurst, Käse und Fleisch nur in Massen geben
- Süsses und Chips nur in Massen, zum Beispiel Salzstangen
- Gesunde Zwischenmahlzeiten wie Obst, Trockenfrüchte, Joghurt anbieten
- Vollkornbrot wählen
- Essen nicht ständig zum Thema machen
- Klare Regeln aufstellen und gut ablenken.
Ernährungsberatung
- Bei Fragen unterstützt Sie gerne die Ernährungsberatung und Sie können jederzeit Hilfe bekommen
Bewegung und Muskelabbau während der Kortisontherapie
Warum Bewegung so wichtig ist
Kortison ist ein wirksames Medikament, kann aber Muskelabbau verursachen – besonders in Oberschen keln und Hüften. Langes Liegen oder wenig Aktivität verstärken diesen Effekt. Bewegung wirkt dem gezielt entgegen: Sie stärkt Muskeln und Ausdauer, trainiert Herz und Lunge, erleichtert Bewegungen im Alltag, verbessert die Haltung, unterstützt das Immunsystem und hilft, das Gewicht zu regulieren.
Bewegung stärkt Körper und Seele
Regelmässige Aktivität macht Kinder und Jugendliche selbstsicher, stärkt das Körpergefühl, lenkt vom Stress ab und bietet ein Ventil für Frust. Sie fördert Konzentration, eröffnet neue soziale Kontakte und ermöglicht Erfolgserlebnisse. Auch im Spital haben Kinder ein Recht auf Bewegung – sei es im Zimmer, auf der Station oder in speziellen Räumen.
KiKli Fit – Bewegung auf der Station
KiKli Fit bietet bei stationären Aufenthalten in Bern mehrmals pro Woche angeleitete Bewegungseinheiten für jedes Kind. Vom Spielen im Zimmer, auf den Fluren bis zur Turnhalle – alles angepasst an den aktuellen Zustand des Kindes.
Kinder und Jugendliche bestimmen mit, welche Bewegungsart ihnen gut tut. Geschwister und Eltern werden einbezogen. Die Bewegung wird so zu einem positiven Erlebnis, das Kraft gibt, Freude macht und Gemeinschaft fördert.
Tipps für Eltern
- Bewegung positiv begleiten, kleine Fortschritte loben, ggf. selbst mitmachen
- Auf ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiss achten
- Bewegung soll Spass machen und gut in den Alltag passen
- So bleibt Ihr Kind trotz Therapie kräftig, beweglich und selbstbewusst
Hautpflege
Die Haut ist das grösste und am deutlichsten sichtbare Organ des Körpers.
Bei einer Chemotherapie werden nebst den Tumorzellen in unterschiedlichem Masse auch die Zellen der Haut, Schleimhaut und Haarwurzeln geschädigt. Der Hauttyp entspricht daher der trockenen bis sehr trockenen Haut, was eine spezielle Körperpflege notwendig macht.
- Zum Duschen oder Waschen ein pH-neutrales Mittel mit möglichst wenig Zusatzstoffen verwenden
- Nach jedem Duschen oder Waschen ist eine Rückfettung der Haut mit einer möglichst unparfümierten pH neutralen Lotion nötig. Auf leicht feuchter Haut lässt sich die Lotion besser verteilen und dringt leichter ein.
- Beim Baden Öle als Zusatz verwenden.
- Auf Hautveränderungen achten (vermehrte Pigmentierung, Ausschlag, blaue Flecken, Infektion, usw.) und allenfalls weitermelden.
- Zur Nachbehandlung von Narben wenden sie sich bitte an das Pflegeteam der Abteilung.
Kontakt mit Körperflüssigkeit (Urin, Stuhl) – Schutz für sie als Eltern
- Bis zu 7 Tagen nach einer erfolgten Chemotherapie empfehlen wir bei Kontakt oder möglichem Kontakt mit Körperflüssigkeit, Handschuhe zu tragen, d. h. Wickeln mit Handschuhen, Entsorgung der Windeln und Handschuhe im Haushaltsabfall
- Urin aus Topf («Häfi») kann zu Hause ins WC geleert werden. Anschliessend den Topf mit reichlich fliessendem Wasser reinigen (Handschuhe anziehen)
- Bitte achten Sie darauf, dass der WC-Deckel geschlossen wird (nach dem Urinieren vor dem Spülen), denn so schützen sie sich und ihre Familie vor Verwirbelungen vor Zytostatika Überresten vom Urin.
Intimpflege
- Intimbereich täglich mit Wasser gut waschen, verwenden sie dabei weiche Tücher
- Windelkinder häufig wickeln – wenn es nötig ist auch in der Nacht
- Gesässhaut mit den Produkten pflegen, welche Ihnen das Behandlungsteam empfiehlt
- Die empfohlene Hautschutzsalbe nach jedem Windelwechsel auftragen
- Junge Frauen, welche bereits eine Menstruation haben, erhalten diesbezüglich spezielle Anweisungen von den Pflegeexpertinnen APN.
Sonnenschutz
Durch eine Chemo- oder Strahlentherapie erhöht sich die Lichtempfindlichkeit der Haut. Ihr Kind bekommt während der Therapie wesentlich schneller einen Sonnenbrand. Deshalb ist ein Sonnenschutz unerlässlich.
Mittagssonne
Ihr Kind sollte die direkte Sonne zwischen 11 und 15 Uhr meiden und sich während dieser Zeit nur im Schat ten aufhalten.
Kleidung
Dicht gewebte, lange und weitgeschnittene Kleidung kann ebenfalls vor zu starker Sonneneinstrahlung schüt zen. Ist die Kleidung nass, abgenutzt oder stark gedehnt, geht einiges an Schutzwirkung verloren. Nutzen sie im Sommer Kleidung mit Lichtschutzfaktor (LSF) wenn das Kind baden geht oder ähnliches.
Kopfhaut
Schützen Sie die Kopfhaut ganzjährig, sowohl im Sommer als auch im Winter, durch das Tragen einer Kopfbedeckung.
Augen
Auch diese können empfindlicher auf Sonnenlicht reagieren. Hier kann eine Sonnenbrille Abhilfe leisten. Achten Sie darauf, dass die Brille die Kennzeichnung «100% UV-Schutz» oder «UV 400» trägt, sowie auch vor seitlichem Lichteinfall Schutz bietet.
Fensterglas
Da UV-Strahlen durch Fensterglas nicht ausreichend abgefangen werden, empfehlen wir Ihnen bei langen Autofahrten oder einem längeren Aufenthalt vor grösseren Fensterfronten ebenfalls die Anwendung von Sonnenschutzmitteln.
Erstes Lebensjahr
direkte Sonnenstrahlung meiden – insbesondere die Mittagszeit, wenn möglich im Haus oder im Schatten verbringen – generell Schatten der Sonne vorziehen.

