Sicher durch die Chemotherapie
Allgemeine Hygienemassnahmen während der intensiven Chemotherapie
Maske
- Im Spital muss Ihr Kind immer eine Maske tragen. Sobald es auf der Kinderonkologie ist, darf die Maske abgenommen werden – ausser bei einer Erkältung, Husten oder ähnlichen Symptomen
- Bei Baustellen mit viel Staub sollte eine Maske getragen werden. Wenn möglich, meiden Sie solche Orte (z. B. auf dem Schulweg oder wechseln Sie die Strassenseite)
- In Menschenmengen, z. B. beim Einkaufen oder in Zügen, sollte Ihr Kind ebenfalls eine Maske tragen
Soziale Kontakte
- Besuch zu Hause ist erlaubt, aber kranke Personen sollten nicht vorbeikommen
- Der Besuch von Kita, Kindergarten, Schule oder Lehre ist möglich und sogar erwünscht, da soziale Kontakte die Genesung fördern
- Ihr Kind sollte jedoch Abstand zu Kindern mit Fieber, Atemwegsinfekten, Durchfall oder unklarem Ausschlag halten
Öffentlicher Verkehr
- Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel und Einkaufs möglichkeiten möglichst ausserhalb der Stosszeiten
- Wenn möglich, fahren Sie lieber mit dem eigenen Auto
- Im öffentlichen Verkehr soll Ihr Kind immer eine Maske tragen
Ernährung – nicht erlaubte Lebensmittel
- Rohes Fleisch (auch Salami, geräucherter Schinken)
- Rohe Eier (wenn nicht mindestens 8 Minuten über 70 °C erhitzt)
- Rohe Milch, nicht pasteurisierter Weichkäse, junger nicht pasteurisierter Hartkäse (Parmesan ist erlaubt)
- Honig (wegen möglicher Bakteriensporen und Toxine)
- Roher und geräucherter Fisch
Küchenhygiene
- Gemüse und Früchte immer gründlich waschen
- Strikte Hygiene in der Küche beachten
- Essen nicht mehrfach aufwärmen und spätestens nach 2 Stunden bei Raumtemperatur wegwerfen
Nuggi/Schoppen
- Fällt der Nuggi auf den Boden, bitte nur mit Wasser abwaschen
- Nuggi täglich abkochen oder im Geschirrspüler reinigen
Prävention von Pilzinfektionen
- Kein Umbau oder Renovationen zu Hause während der Chemotherapie (Gefahr von Schimmelpilzen wie Aspergillus)
- Befallene Wohnungen mit Schimmel sollten saniert werden
- Baustellen und Renovationen meiden (falls unvermeidbar, nur mit Maske)
- Kein Kontakt zu verrottender Vegetation oder organischem Abfall (z. B. Kompost)
- Kein Besuch von Baustellen, Bauernhöfen oder Streichelzoos
Schwimmbad
- Schwimmbadbesuche bedeuten ein erhöhtes Infektionsrisiko und sollten gut ausgewählt werden
- Whirlpools und Wärmebäder sind nicht erlaubt
- Schwimmbäder sollten strenge Kontrollen bei Wasserqualität und Hygiene haben – das gilt auch für private Badeanlagen
- Baden in Seen, Flüssen oder im Meer ist erlaubt
Allgemeine Sicherheitsmassnahmen im Umgang mit Zytostatika
intravenös, subkutan und oral
Kleider und Wäsche
- Ziehen Sie Handschuhe an, falls Sie in Kontakt mit Wäsche kommen, die mit Körperflüssigkeiten verunreinigt ist bis 7 Tage nach der Chemotherapie
- Mit Körperflüssigkeiten verunreinigte Kleider, Bettwäsche oder Handtücher sollten so rasch wie möglich getrennt von der Wäsche anderer Haushaltsmitglieder gewaschen werden
- Falls die Wäsche nicht sofort gewaschen werden kann, bewahren Sie diese in einem Plastiksack auf, bis sie gewaschen werden kann
- Vermeiden Sie Kurzwaschprogramme. • Waschen Sie nach dem Ausziehen der Handschuhe Ihre Hände gründlich mit Seife und Wasser
Toilettenbenutzung
- Wenn Sie zu Hause mehr als eine Toilette haben, versuchen Sie nach Möglichkeit, eine Toilette nur für Ihr Kind zu reservieren. Ist das nicht möglich, ist das kein Problem – achten Sie dann allerdings bitte besonders auf die Hygiene
- Ihr Kind sollte beim Toilettengang immer auf der Toilettenbrille sitzen
- Denken Sie daran, den WC-Deckel vor dem Spülen immer zu schliessen
- Falls das Badezimmer oder die Toilette ein Fenster hat, lüften Sie den Raum nach jedem Toilettengang für einige Minuten
- Nach jedem Toilettengang sollten Sie und Ihr Kind sich die Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen
Empfehlungen für Sie als Eltern und Geschwister
Kontakt mit Körperflüssigkeiten (z. B. Erbrochenem, Urin, Stuhl, Blut, Speichel usw.)
- Ziehen Sie Handschuhe an, falls Sie 7 Tage nach der Chemotherapie in Kontakt mit Körperflüssigkeiten kommen (z. B. beim Putzen von Körperflüssigkeiten und beim Wickeln) → das gilt für Chemotherapie über die Venen, subkutan als Spritze oder als Tablette über den Mund oder die Magensonde
- Verwenden Sie Haushaltspapier, wenn Sie Körperflüssigkeiten wegwischen
- Geben Sie das gebrauchte Haushaltspapier und die Handschuhe in einen Plastiksack und entsorgen Sie diesen in den Hausmüll
- Waschen Sie nach dem Ausziehen der Handschuhe Ihre Hände gründlich mit Wasser und Seife
Informationen zum Umgang mit Zytostatika
Beispiele dafür sind Lanvis®, Puri-Nethol®, Imatinib®, Ara-C®, Termodal®, usw.
Zugang und Aufbewahrung von Zytostatia
- Bewahren Sie Zytostatika ausserhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren auf
- Bewahren Sie die Tabletten an einem Ort, der vor extremer Hitze (z. B. Sonne) oder Kälte sowie Feuchtigkeit geschützt ist
- Für Reisen, Feiertage und Wochenenden empfehlen wir eine frühzeitige Planung
Vorbereitung der Tabletten für die Chemotherapie und Sicherheitsmassnahmen
- Verwenden Sie einen separaten Tablettenteiler nur für Zytostatika
- Bereiten Sie die Tabletten für die Chemotherapie einmal pro Woche vor
- Tragen Sie dabei immer Handschuhe
- Nutzen Sie dafür einen eigenen Medikamenten dosierer nur für die Chemo-Tabletten
- Schwangere und Stillende sollen keinen Kontakt mit Zytostatika haben
- Bewahren Sie die Medikamente sicher und ausserhalb der Reichweite von Kindern auf
Einnahme der Tabletten für die Chemotherapie
- Alle oralen Zytostatika werden 30 Minuten vor oder frühestens eine Stunde nach dem Essen verabreicht
- Ihr Kind darf die oralen Zytostatika bei der Einnah me in die Hände nehmen
- Nach der Medikamenteneinnahme muss Ihr Kind sich die Hände unter fliessendem Wasser waschen
- Besser ist es allerdings, das Medikament über einen Löffel/aus der Spritze einzunehmen
Erbrechen nach der Einnahme
- Erbricht Ihr Kind nach Einnahme der Zytostatika- Tabletten oder Suspension, wurde eine Einnahme vergessen oder wurde das Medikament in einer falschen Dosierung verabreicht, nehmen Sie telefonisch mit der onkologischen Abteilung/ Poliklinik Kontakt auf.
Entsorgung des Materials
- Material, das mit den Zytostatika in Kontakt gekommen ist (z. B. Löffel, Medikamententeiler und -mörser,) müssen gründlich unter fliessendem Wasser gereinigt werden
- Zytostatika-Verpackungen, für Tabletten, die zum Schlucken gedacht sind (Tablettenblister), dürfen im üblichen Haushaltsabfall entsorgt werden
- Zytostatika-Spritzen (subkutane Verabreichung) und allfälliges Zusatzmaterial (z. B. Nadeln) werden in einem Spezialbehälter entsorgt (dieser wird zur Entsorgung der Abteilung zurückgegeben). – Tupfer, Handschuhe und anderes möglich kontaminiertes Material wird in einem kleinen Plastiksack verpackt, verknotet und im normalen Haushaltsmüll entsorgt
Medikamenteninformation
- Methotrexat® und Purinethol® darf nicht in Milch aufgelöst oder in Kombination mit Milchprodukten (Joghurt) verabreicht werden. Saure Getränke (Fruchtsaft) sind ebenfalls nicht zur Verabreichung/ zum Mischen geeignet
- Lösungen wie VP-16 (Etopophos®) und Cyclophos phamid (Enoxan®) können mit Sirup nachgespült werden
- Von Lanvis® ist beim Mischen mit anderen Substanzen keine Unverträglichkeitsreaktionen bekannt. Die Apotheke empfiehlt jedoch die Einnahme mit Wasser
- Auf Grapefruit sollte während einer oralen Chemo therapie grundsätzlich verzichtet werden
Prophylaxe mit Bactrim® forte-Tabletten/Nopil®-Sirup
Zum Schutz vor einer Lungenentzündung (Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie)
Ihr Kind bekommt Bactrim® forte-Tabletten oder Nopil®-Sirup, damit es vor einer speziellen Form der Lungenentzündung geschützt ist. Diese Lungenentzündung heisst «Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie» und wird durch einen bestimmten Pilz verursacht. Besonders Kinder mit einem geschwächten Immunsystem, also wenn die Abwehrkräfte des Körpers nicht so gut funktionieren, können an dieser Lungenentzündung erkranken.
Während der Behandlung und noch bis zu 3 Monate danach ist das Immunsystem Ihres Kindes geschwächt. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Ihr Kind das Me dikament regelmässig einnimmt und keine Dosis aus lässt. Nur so kann die Erkrankung wirksam verhindert werden.
Bitte geben Sie Ihrem Kind das Medikament genauso, wie es von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin verordnet wurde. Falls Sie unsicher sind oder Ihr Kind das Medikament nicht verträgt, melden Sie sich bitte rechtzeitig bei Ihrem Behandlungsteam.
Einnahme:
Freitag, Samstag, Sonntag
Jeweils eine Dosis am Morgen oder Abend einnehmen, wenn möglich mit einer Mahlzeit.
Bactrim 48 Stunden vor Hochdosis-MTX pausieren. Bactrim weiterhin 3x pro Woche am Wochenende (Freitag, Samstag, Sonntag) geben.
Schutz vor Varizellen für Kinder mit geschwächtem Immunsystem
«Spitze Blattern»
Information für Eltern, Kindergärtner:innen, Erzieher:innen und Lehrer:innen
Kinderkrankheiten wie Varizellen haben für Kinder, die an Krebs erkrankt sind, andere Auswirkungen als für gesunde Kinder. Ein an Krebs erkranktes Kind erhält eine Chemotherapie und/oder eine Bestrahlung und seine Abwehrkräfte sind während der Zeit der Erkrankung und Therapie geschwächt. Deshalb können Infektionskrankheiten für diese Kinder sehr gefährlich sein. Nicht alle ansteckenden Krankheiten wirken sich gleich schlimm aus. Besonders gefährlich sind die «Spitzen Blattern», auch Windpocken oder Varizellen genannt. Diese Krankheit verläuft bei gesunden Kindern normalerweise völlig harmlos. Für ein Kind, das eine Chemotherapie/Bestrahlung bekommt, kann es aber sehr gefährlich werden. Die «Spitzen Blattern» sind sehr ansteckend, da die Übertragung über die Luft erfolgt. Ein bis maximal zwei Tage vor Auftreten der ersten Bläschen ist eine Ansteckung über Speicheltröpfchen aus dem Nasenrachenraum möglich.
Wenn die Möglichkeit besteht, dass sich ein an Krebs erkranktes Kind mit «Spitzen Blattern» angesteckt hat, muss ihm im Spital so rasch als möglich ein Medikament verabreicht werden, das verhindert, dass die Krankheit ausbricht.
Es geht darum, das erkrankte Kind in der Phase der Chemotherapie/Bestrahlung bestmöglich vor ansteckenden Krankheiten zu schützen. Deshalb ist es wichtig, dass die Eltern sofort informiert werden, wenn bei Ihrem Kind oder einem Geschwister, bzw. in der Schule oder im Kindergarten, die «Spitzen Blattern» auf treten. Beim Auftreten von anderen ansteckenden Krankheiten wie Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten, Scharlach, sowie bei Grippe oder Lungenentzündung sind wir froh, wenn die Eltern so früh wie möglich darüber informiert werden, damit sie geeignete Massnahmen und Absprachen treffen können.
Auch die Gürtelrose, die vor allem bei Erwachsenen auftritt, ist ansteckend und daher für Kinder mit Chemotherapie/Bestrahlung sehr gefährlich. Gürtelrose wird durch direkten Kontakt übertragen und nicht durch die Luft.
Rufen Sie uns bitte an, wenn Ihr Sohn/Ihre Tochter Kontakt mit einem Kind hatte, welches eine Kinderkrankheit durchmacht oder Kontakt zu einem Erwachsenen mit Gürtelrose hatte. Eine Krebserkrankung ist nicht infektiös und andere Kinder können sich also nicht anstecken, wenn sie mit einem krebskranken Kind Kontakt haben.
Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis.
Bei Fragen oder Unklarheiten können Sie uns jederzeit kontaktieren.
Impfungen während der Chemotherapie
wichtige Hinweise für Eltern
Während der Chemotherapie und bis ca. 6 Monate danach
- Ausser Grippeimpfung generell keine Impfungen empfohlen
- Impfungen wären kaum wirksam
- Lebendimpfstoffe könnten die Krankheit verursachen, gegen die sie schützen sollen
- Etwa 6 Monate nach Therapieende: Ihr Haus- oder Kinderarzt erhält Empfehlungen, welche Impfungen nachgeholt oder wiederholt werden sollten.
Ausnahme während der Chemotherapie:
- Kinder mit akuter lymphatischer Leukämie in der Erhaltungsphase (seit ≥ 1 Monat)
- Jährliche Grippeimpfung ab Ende Oktober/ Anfang November - Zwei Impfungen im Abstand von 4 Wochen für ausreichenden Schutz nötig
- Durchführung beim Haus- oder Kinderarzt
Empfohlene Impfungen für Familienmitglieder:
- Varizellen (Spitze Blattern): Geschwister, die die Krankheit noch nicht hatten, sollen kurz nach Beginn der Chemotherapie geimpft werden
- Grippeimpfung: Alle Familienmitglieder jährlich ab Ende Oktober/Anfang November So helfen Sie mit, Ihr Kind während der Chemotherapie bestmöglich zu schützen.

