Anorektale Malformationen
Eine anorektale Malformation (ARM) ist eine angeborene Fehlbildung des Darmausgangs. Dabei ist der After entweder nicht an der richtigen Stelle, verengt oder gar nicht angelegt und verschlossen. Das führt dazu, dass der Stuhl nicht richtig oder gar nicht ausgeschieden werden kann. Auch Verbindungen zu anderen Strukturen – etwa zur Harnblase oder Vagina – können in Form von Fisteln vorkommen. Das Krankheitsspektrum reicht von sehr gering ausgeprägten Befunden bis hin zu komplexen Fehlbildungen und werden alle an unserem Zentrum behandelt. ARM ist eine der häufigeren Fehlbildungen im Neugeborenenalter. Sie kommt bei Jungen etwas häufiger vor als bei Mädchen und kann auch Teil eines komplexeren Fehlbildungssyndroms sein. Die Prognose hängt von der Form der Fehlbildung ab. Leicht Formen haben eine sehr gute Prognose bezüglich der Stuhlkontinenz. Komplexere Fehlbildungen werden bei uns langfristig in unserer spezialisierten Sprechstunde nachbetreut, so dass eine möglichst gute Lebensqualität erreicht wird.
Wie häufig ist eine anorektale Malformation und wie entsteht sie?
Die Fehlbildung entsteht früh in der Schwangerschaft (zwischen der 5. und 7. Schwangerschaftswoche), wenn sich der Enddarm und der Beckenboden entwickeln. Warum es zu dieser Störung kommt, ist meist nicht genau bekannt. In den meisten Fällen ist eine ARM nicht genetisch und entsteht zufällig. In einigen Fällen kann sie jedoch Teil eines größeren Fehlbildungskomplexes (VACTERL-Assoziation) sein, so dass wir bei Diagnosestellung auch weitere Abklärungen für andere Fehlbildungen machen.
Etwa 1 von 5000 Kindern wird mit solch einer Fehlbildung geboren.
Was sind die Symptome einer anorektalen Malformation?
Typische Hinweise auf eine ARM unmittelbar nach der Geburt sind:
- Fehlender oder ungewöhnlich gelegener After
- Kein oder nur sehr wenig Abgang von Mekonium (Kindspech)
- Auffälligkeiten beim Stuhlgang
- Überdehnter Bauch durch Stauung des Darminhalts
- Eventuell Urinabgang über den After oder Stuhl über den Harnweg (bei Fistelverbindungen)
Die Diagnose wird meist direkt nach der Geburt gestellt.
Wie behandelt man eine anorektale Malformation?
Die Behandlung erfolgt chirurgisch und richtet sich nach der Art der Fehlbildung. Meist ist eine frühe Operation notwendig, um dem Kind einen funktionierenden Darmausgang zu ermöglichen.
Die Therapie umfasst oft:
- Die Erstversorgung nach der Geburt
- Eine Operation zur Rekonstruktion des Afterkanals
- Eventuell vorübergehende Anlage eines künstlichen Darmausgangs (Stoma)
- Nachsorge mit ggf. Beckenbodentraining, Ernährungsberatung und Stuhlregulation in unserer spezialisierten Sprechstunde.
Je nach Ausprägung und Art der Fehlbildung kommen verschiedene Operationsmethoden zum Einsatz. Wir bieten u.a. an:
- PSARP (posterior sagittale anorektale Plastik)
- LAARP (laparoskopisch assistierte anorektale Plastik)
Was ist die Prognose einer anorektalen Malformation?
Die Prognose hängt von der Schwere der Fehlbildung und möglichen Begleiterkrankungen ab. Viele Kinder können nach der Operation ein nahezu normales Leben führen.
Wichtig ist jedoch eine langfristige Betreuung, da Themen wie Kontinenz, Stuhlregulation oder Verstopfung das Kind über Jahre begleiten können. Mit fachgerechter Behandlung und Nachsorge erreichen jedoch die meisten Kinder eine gute Lebensqualität. Wir bieten hierfür eine spezialisierte Sprechstunde an und betreuen unsere Patienten vom ersten Tag bis ins jugendliche Alter.

